Optometrie

80% der Sinneseindrücke werden von den Augen übermittelt.

Unsere Augen sammeln Sinneseindrücke der Außenwelt. Wir nehmen wahr und interagieren mit unserem Tun. Der Begriff "Optometrie" ist in Deutschland noch eher unbekannt. Dieses Fachgebiet beschäftigt sich mit der Augengesundheit, aber auch mit allen funktionellen Aufgaben, die unser Sehapparat leisten muss. Ein Optometrist ist damit ein wichtiges Bindeglied zwischen Augenoptiker und Augenarzt. Das World Council of Optometry WCO beschreibt den Beruf des Optometristen folgendermaßen: 

“Die Optometrie ist als Gesundheitsberuf der primäre Gesundheitsdienstleister für das Auge und das visuelle System, welche eine umfassende Augen- und Sehbetreuung anbieten.”

Ganz konkret prüft ein Optometrist die Augengesundheit, die Fehlsichtigkeit, muskuläre Augenfunktionen und die weitere Verarbeitung der Seheindrücke im Gehirn. Funktionelle Auffälligkeiten werden von strukturellen differenziert und entweder direkt behandelt, oder zur weiteren Behandlung an einen Augenarzt weitergeleitet.

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Visuelle Analyse

Nach einer ausführlichen Anamnese und der Bestimmung der Fehlsichtigkeit, wird das binokulare (beidäugige) Sehen genau geprüft. Augenfehlstellungen wie z.B. „latentes Schielen“, Winkelfehlsichtigkeit oder eine Phorie, können die Sehverarbeitung negativ beeinflussen. Darüber hinaus wird die Qualität der Augenbewegungen getestet. Diese sind für die Fähigkeit des Lesens von entscheidender Bedeutung. ​

Niemand ist perfekt, und DIE perfekten Augen gibt es vermutlich ebenfalls nur selten. In welcher Intensität Symptome auftauchen ist von den körpereigenen Kompensationsfähigkeiten abhängig. Daher wird bei der Erstuntersuchung die Schnelligkeit, Ausdauerfähigkeit und Koordination der Augen analysiert. Arbeitet das Sehsystem am Limit, können falsche Sehgewohnheiten, schlechte Leistungen, Fehlhaltungen oder Anstrengungsbeschwerden die Folge sein (mehr Informationen zu den Symptomen finden Sie auf der Seite: Indikationen).

Die visuelle Analyse dauert etwa 1,5 Stunden. Im Anschluss an die Untersuchung erkläre ich Ihnen ausführlich die Ergebnisse und berate Sie über mögliche Lösungswege. Neben Visualtraining (Vision Therapy) können dies auch speziell angepasste Brillen oder Kontaktlinsen sein. 

Visualtraining

Bei Augenfehlstellungen wird oft von einer "Muskelschwäche" gesprochen. Diese Aussage ist meiner Meinung nach nur bedingt richtig. Augenmuskeln sind in Relation zu ihrer Tätigkeit extrem starke Muskeln, die sehr kleine und feine Bewegungen ausführen müssen. Voraussetzung dafür ist eine gute Feinkoordination der Augen. Und wer ist für die Ansteuerung der Muskeln zuständig? Genau – das Gehirn. Visualtraining kann man durchaus mit Ergotherapie vergleichen, eben speziell für die Augen! Ziel ist die Verbesserung der Augenkoordination. 

Durch tägliches Üben wird die Neubildung synaptischer Verbindungen im Gehirn angeregt. Es bedarf einer Übungsdauer von etwa 6 bis 12 Monaten bis diese Verbindungen gefestigt sind. Stufenweise werden Sie durch das Training begleitet und erhalten immer wieder neue Übungsherausforderungen. Diese beinhalten visuelle und koordinative Elemente. Erste spürbare Erfolge stellen sich meist nach einer Trainingsdauer von ca. 6 bis 9 Wochen ein. Ist das Training beendet hat man eine neue „Seh-Technik“ erlernt. Damit ist es ähnlich wie beim Schwimmen – hat man die Bewegungsabläufe einmal richtig gelernt, werden Sie in der Regel nicht mehr verlernt. Trainieren kann man übrigens in jedem Alter! Ältere Probleme erfordern allerdings eine längere Trainingsdauer und etwas mehr Geduld. 

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